Erdbeeren kommen aus der Migros – oder vielleicht doch nicht?

«Selber pflücken» ist eine Website, welche alle Selbstpflücker-Angebote der Schweiz verzeichnet. Wer einen Ort sucht, wo er seine Beeren, Früchte oder Blumen selbst ernten kann, ist hier richtig. Die Website existiert seit über 10 Jahren und eignet sich nicht zuletzt für Eltern von Stadtkindern, welche ihrem Nachwuchs zeigen wollen, woher ihr Essen eigentlich kommt.

Wenn jeweils Anfang Mai die Besucherzahlen auf www.selberpfluecken.ch anziehen, dann weiss Martin Sauter, dass die Erdbeer-Saison begonnen hat. Erdbeerfelder waren die ersten Angebote, die er 2007 auf seiner Website aufgeschaltet hatte, und sie sind auch heute noch die am häufigsten abgefragte Information. «Wenn die Erdbeeren einmal früher oder später als üblich reif sind, dann kann ich das direkt in unserer Website-Statistik ablesen», erzählt Sauter.

Geboren wurde die Idee in einer Mittagspause mit einem Arbeitskollegen. Was als technisches Experiment begann, ist heute eine gut frequentierte Website – wenn auch kein Geschäft: Die Bauern können ihr Angebot gratis eintragen lassen, und der Ertrag aus den Werbeanzeigen deckt gerade einmal die Unkosten – die Programmierung und die Pflege der Adressdaten nicht eingerechnet. «Das Ganze ist letztlich eine Herzensangelegenheit», gibt Sauter zu, dessen Firma Metoki GmbH die Website heute betreibt.

«Regionale Lebensmittel und die Unterstützung unserer Landwirte sind mir ein wichtiges Anliegen. Ich lebe zwar in Zürich, bin aber ursprünglich auf dem Land aufgewachsen, und mein Schulweg führte über einen Bauernhof. Ich denke, dass jedes Kind selbst erleben sollte, woher unsere Lebensmittel stammen. Vielleicht merkt es dann auch, dass frische Lebensmittel oft viel besser schmecken als die Einheitsware im Supermarkt. Abgesehen davon ist es aber auch einfach ein schönes Erlebnis und ein sinnvolles Freizeitprogramm.»

Das Angebot von «Selber pflücken» beschränkt sich nicht auf Erdbeeren: Auch wer Aprikosen, Bohnen, Kürbisse oder gar Weihnachtsbäume selbst ernten möchte, findet hier Bauernbetriebe, wo man selbst Hand anlegen darf. Deshalb ist es wichtig, bei jedem eingetragenen Hof das Angebot genau zu studieren. «Wenn ein Bauer täglich Anrufe wegen Erdbeeren bekommt, obwohl er nur Kirschen anbietet, dann ist das auf Dauer lästig», so Sauter. «Leider haben wir immer wieder solche Fälle, wohl weil die Leute meinen, dass man nur Erdbeeren selber pflücken kann. Aber das Angebot ist weitaus vielfältiger, als man denkt.»

Regionale Produkte sind ein Trend – gerade in Zeiten, wo Konsumenten kritischer werden und sich Gedanken über Klimaerwärmung und Lebensmittel-Verschwendung machen. Martin Sauter ist deshalb überzeugt, dass seine Website einem Bedürfnis entspricht. Und er denkt auch bereits darüber nach, das Angebot zu erweitern, etwa mit Hofläden. «Aber zuerst warten wir jetzt noch die nächste Erdbeer-Saison ab, denn dann haben wir mit der Datenpflege mehr als genug zu tun!»